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Lise Meitner
von Norman Sikalieh
1.Jugend in Wien
1878-1907
Lise Meitner war das dritte Kind von insgesamt acht Kindern der Eltern Dr. Phillip Meitner und seiner Frau Hedwig und wurde am 17.11.1878 in Wien geboren. Ihre Eltern waren beide Halbjuden und erzogen ihre Kinder protestantisch. Lise Meitner wuchs in einer gebildeten Familie auf und konnte ein glückliches Familienleben führen. Dies gab ihr Anregungen und auch den nötigen Rückhalt in ihren Berufswünschen.
Lise besuchte zunächst die Volkshochschule, danach drei Jahre die Bürgerschule, weil ihr als Mädchen der Zugang zum Gymnasium verwehrt blieb. Um die Möglichkeit zu haben studieren zu können, musste Lise Meitner ihre "Matura "als Externe vorbereiten. Mit dreizehn weiteren Schülerinnen arbeitete sie den Schulstoff von acht Jahren bei dem Naturwissenschaftler Dr. Arthur Szarvaky in zwei Jahren durch. Im Jahre 1901 bestand sie die Matura mit drei weiteren Schülerinnen und konnte so ihr Studium der Physik und Mathematik an der Philosophischen Fakultät der Kaiserlich - Königlichen Universität in Wien beginnen.
Als vierte Frau bestand Lise Meitner am 1.12.1905 in Wien ihr Doktorexamen mit einer Arbeit über "Wärmeleitung in inhomogenen Körpern". Stefan Meyer führte sie in den folgenden zwei Jahren in das Gebiet der Radioaktivität ein und Lise Meitner schrieb ihre ersten zwei Arbeiten über Alpha und Gamma Strahlen. Nachdem Ludwig Bolzmann, der mit seinem begeisternden Vortragstil die Liebe zur theoretischen Physik in Lise erweckt hatte, Selbstmord begangen hatte, entschloss sich Lise Meitner 1907 nach Berlin zu gehen um sich bei Max Planck weiterzubilden.
2.Die ersten Jahre in Berlin
1907-1918
Der Grund, warum Lise Meitner nach Berlin gekommen war, war der, sich in der Physik weiterzubilden und um wirkliches Verständnis von der Physik zu gewinnen.
Max Planck hatte Vorbehalte gegen akademische Frauen, doch trotzdem durfte Lise an seinen Vorlesungen teilnehmen. Aber Lise Meitner wollte auch in der experimentellen Physik tätig werden und bat daher darum, auch praktisch arbeiten zu können. Lise Meitner wurde durch Professor Rubens, dem Leiter des Berliner Institutes für Experimentalphysik mit dem Chemiker Otto Hahn zusammengebracht. Professor Rubens war jedoch strikt gegen Lise Meitner eingestellt und so durfte sie nur in einem Kellerraum arbeiten. Das Betreten des Institutes war ihr vorerst untersagt, aber die Jahre, die sie in der Holzwerkstatt arbeitete, legten den Grundstein für die Zusammenarbeit von Meitner und Hahn. Otto Hahn bekam seine eigene wissenschaftliche Abteilung, in der Lise Meitner zunächst als Gast arbeitete. Meitner hatte die Möglichkeit nach Prag zu gehen, dort hätte sie Aussicht auf eine Professur gehabt, doch dies lehnte sie ab. Otto Hahn und Lise Meitner veröffentlichten in den darauf folgenden Jahren viele wissenschaftliche Beiträge über die Natur der radioaktiven Strahlen und die Eigenschaften der radioaktiven Elemente. Die Entdeckung des Elements 91,des bis dahin unbekannten, zweitschwersten natürlichen Elementes im Jahre 1918,dem sie den Namen Protactinium gaben, war die wichtigste Arbeit, die sie leisteten.
3.Fruchtbare Jahre in Berlin
1918-1938
Lise Meitner bekam 1917 den Auftrag, eine eigene radiophysikalische Abteilung neben Otto Hahns radiochemischer aufzubauen. Bis 1934 führte sie mit ihren Mitarbeiterinnen in dieser Abteilung rein radiophysikalische Arbeiten durch. Als ihr 1919 der Professorentitel verliehen worden ist, erhielt sie schnell Anerkennung an dem Institut. In der nächsten Zeit hielt Lise Meitner auch Vorlesungen und nahm an den wichtigsten internationalen physikalischen Kongressen teil. Dabei lernte sie die wichtigsten Physiker der damaligen Zeit kennen und knüpfte Freundschaften fürs Leben. Als Wissenschaftlerin blieb ihr die höchste Auszeichnung, der Nobelpreis, verwehrt. Sie wurde 1924,1925 und 1936 vorgeschlagen. Wegen der politischen Veränderungen wurde ihr ,der Halbjüdin, die Lehrbefugnis für das Wintersemester 1933/34 entzogen. Sie konnte dennoch ihre Forschungsarbeiten fortsetzen. Fasziniert von dem Italiener Enrico Fermi, der begann Atomkerne mit den neu entdeckten Neutronen zu beschießen, um neue Elemente zu erhalten, überredete sie Otto Hahn, gemeinsame Forschungen auf dem Gebiet aufzunehmen.1935 wurde in das Team Meitner-Hahn der junge Fritz Strassmann aufgenommen. Er war ein analytischer Chemiker. Lise Meitner war aus Deutschland emigriert nach dem Anschluss Österreichs 1938.Sie blieb zwar im engen brieflichen Kontakt zu Otto Hahn, jedoch konnte sie die Messungen nur theoretisch aus der Ferne verfolgen. Die in Berlin entdeckte Kernspaltung konnte sie nur mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch versuchen, theoretisch zu deuten und den dabei frei werdenden gewaltigen Energiebetrag zu berechnen.
4.Im Exil
Stockholm und Cambridge 1938-1968
Die Lage am Kaiser-Wilhelm-Institut wurde immer unfreundlicher und so musste Lise Meitner im Juli 1938 schließlich die Flucht antreten. Sie gelangte nach Schweden, wo sie vorerst bei ihrer Freundin Eva von Bahr-Bergius lebte, bevor sie im Herbst 1938 nach Stockholm zog. Sie hielt weiterhin engen Briefkontakt mit Otto Hahn und leistete so einen Anteil an der Entdeckung der Kernspaltung.1943 traf sie Otto Hahn, der sich auf einer Vortragsreise durch Schweden befand. Als die Atombombe über Hiroshima am 6.8.1945 abgeworfen wurde ,geriet Lise Meitner in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Sie wurde als "Mutter der Atombombe" betitelt , obwohl sie betonte keinen Anteil an der Entwicklung der Bombe gehabt zu haben. Im Jahre 1945 wurde sie eingeladen, eine Gastprofessur an der Katholischen Universität von Amerika zu übernehmen. Im Juli 1946,nach Beendigung ihrer Lehrtätigkeit kehrte sie nach Europa zurück.1948 nahm sie die deutsche und die schwedische Staatsbürgerschaft an.1947 erhielt sie die Forschungsprofessur in Stockholm und führte dort einige Arbeiten über Neutronenstrahlung und Kernprozesse durch.1950,im Alter von 72 Jahren, schrieb sie ihre bedeutendste Arbeit über die Spaltung und das Schalenmodell der Atomkerne. Lise Meitner besuchte noch bis 1960 Seminare und nahm an wissenschaftlichen Kongressen teil. Weil sie in den letzten Jahren in der Nähe der Familie ihres Neffen sein wollte, verließ sie Schweden und zog nach Cambridge. Drei Monate nach Otto Hahn, am 27.10.1968, starb Lise Meitner.
Quelle: Lise Meitner-Leben und Werk einer Atomphysikerin
Ausstellung Lise-Meitner-Gymnasium Böblingen vom 23.03 1987
Zuletzt aktualisiert am 24.01.2005
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