Otto Hahn
von Norman Sikalieh
Otto Hahn war einer der bedeutendsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts .Er war Chemiker und Direktor des Max-Planck-Institutes für Chemie. Otto Hahn arbeitete v.a. auf dem Gebiet der Radiumforschung und der Kernchemie. Zusammen mit Lise Meitner fand er zahlreiche radioaktive Elemente, z.B. im Jahre 1917 das Protactinium. Er entdeckte mit Fritz Strassman und Lise Meitner 1938/39 die Spaltung von Urankernen bei Neutronenbestrahlung (Kernspaltung),wofür er 1945 den Nobelpreis für Chemie erhalten hat.
Wie ist sein Lebensweg verlaufen?
In `Otto Hahn- Mein Leben` schreibt Hahn selbst in einer Autobiographie die Geschichte seines Lebens.
Er wurde am 8.3.1879 in Frankfurt am Main geboren und nachdem er 1885 eingeschult worden war, stellte sich heraus, dass er `im Schreiben… nicht sehr geschickt' gewesen ist. Als geborener Linkshänder wurde er nämlich gezwungen mit der rechten Hand zu schreiben.
Später kam er in der Schule gut voran, schreibt aber in seiner Autobiographie, dass er sich manchmal von einigen Lehrern nicht gerecht behandelt gefühlt habe. Ein Deutsch-Aufsatz z.B. wurde mit der Note Fünf bewertet, weil sich Hahn schriftlich so ausgedrückt hatte, wie man in Frankfurt spricht. Und von seinem Physiklehrer schreibt Otto Hahn, dass er stotterte und nicht in der Lage war, die Schüler für Physik zu begeistern.
Der Vater, Besitzer einer Glaserei, hatte den Wunsch, dass sein Sohn Otto Abitur machen und Architektur studieren sollte. Aber Otto Hahn wusste schon bald, dass er Chemiker werden wollte. Im Sommer 1897 ging er zum Studium der Chemie nach Marburg, später nach München. Thema der Praktikumarbeit war: Die quantitative Analyse.
Hahn absolvierte die übliche Ausbildung eines jungen Chemie-Studenten und war in dieser Zeit nicht besonders ehrgeizig. Ostern 1899 hat er sogar mit einem Studenten, der ihn beleidigt hatte, ein Duell mit Säbeln ausgetragen.
Im Jahre 1901 schrieb Otto Hahn seine Doktorarbeit `Über Bromderivate des Isoeugenols`. Und Ende 1901 trat er als Freiwilliger in das 81. Infanterieregiment in Frankfurt ein.
Ab Oktober 1902 nahm er die Stelle eines Vorlesungsassistenten bei seinem Lehrer Zincke am Chemischen Institut in Marburg an. Nach zweijähriger Assistentenzeit ging Hahn nach London und fand bei dem berühmten Entdecker der Edelgase Sir William Ramsay einen Arbeitsplatz. Hier veröffentlichte er zusammen mit Dr. Otto Sackur seine radioaktive Arbeit in den `Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft`. In London entdeckte Hahn bei der Radiumforschung ein neues Element, dass er Radiothorium nannte.
Ab Herbst 1905 arbeitete Otto Hahn dann in Montreal bei dem Physiker Rutherford. Auch hier entdeckte der Chemiker Hahn wieder ein neues radioaktives Element, das Radioactinium.
Im Sommer 1906 kehrte er nach Deutschland zurück. Bis 1914 lebte und arbeitete er in Berlin am Chemischen Institut der Universität. In dieser Zeit lernte er auch Dr. Lise Meitner kennen und arbeitete mit ihr zusammen.
Ende 1908 fanden Otto Hahn und Lise Meitner ein neues Thoriumprodukt,das Thorium D.
Am Chemischen Institut gab es damals die Abteilungen Hahn und Meitner: Radiochemie und Kernphysik.
In seiner Autobiographie schreibt Otto Hahn:` Heute frage ich mich, wieso Meitner und ich bei dem Umgang mit den meist sehr starken Präparaten keine nennenswerten Strahlenschäden davongetragen haben.`
Nachdem das Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin gegründet worden war, erhielt Otto Hahn dort eine feste Anstellung in der Abteilung für Radioaktivität.
Im Jahre 1913 heiratete er Edith Junghans.
1914 -1918 musste auch Otto Hahn im ersten Weltkrieg kämpfen.
Nach neunjähriger Ehe wurde 1922 der Sohn Hanno geboren.
Im Kaiser-Wilhelm-Institut setzten Otto Hahn und Lise Meitner ihre Arbeit fort. Hahn wandte sich in dieser Zeit mehr der angewandten Radiochemie zu.
Bei der Machtergreifung Hitlers war Hahn bereits Leiter des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Chemie. Überall wurden jüdische Wissenschaftler entlassen und im Jahre 1938 konnte Professor Lise Meitner mit Hilfe von Otto Hahn und anderen illegal ins Ausland gebracht werden. Auch Otto Hahn hatte immer wieder Schwierigkeiten, weil er nicht in die NSDAP eintreten wollte.
Als 1944 das Kaiser-Wilhelm-Institut von einer Bombe getroffen wurde, war keine Weiterarbeit mehr möglich.
Am 25.4.1945 wurden Otto Hahn und andere leitende Wissenschaftler in Berlin von amerikanischen Offizieren verhaftet und in England gefangen gehalten. Am 16.11.1945 erfuhr Otto Hahn aus der Zeitung, dass ihm der Nobelpreis verliehen worden war.
Damals wurde in deutschen Zeitungen geschrieben, dass Otto Hahn den Amerikanern `die Bombe gebracht` hätte. Die Amerikaner hatten über Hiroshima die Atombombe abgeworfen. Mehr als 100.000 Japaner waren ums Leben gekommen. Da die von Otto Hahn entdeckte Kernspaltung Voraussetzung für den Bau von Atombomben ist, war Otto Hahn darüber sehr deprimiert und äußerte sogar Selbstmordabsichten.
In seiner Autobiographie sagt der Wissenschaftler auf die Frage eines Journalisten:" Ich hätte es unter allen Umständen abgelehnt, an einer Atombombe mitzuarbeiten."
Im Februar 1948 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin in Max-Planck-Institut umbenannt und Otto Hahn als Leiter benannt.
1949 erhielt er in Göttingen die Ehrendoktorwürde der Naturwissenschaftlichen Fakultät.
In den folgenden Jahren hat sich Otto Hahn immer wieder für die friedliche Verwendung der Atomenergie eingesetzt. Er hat sich dafür ausgesprochen, dass die Bundesrepublik Deutschland auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichten soll.
Otto Hahn ist am 28.7.1968 in Göttingen gestorben.
Quelle: Otto Hahn - Mein Leben
Bruckmann-Verlag München