Zusammenarbeit Lise Meitners mit Otto Hahn und die Flucht aus Deutschland


von Martin Pohlmann

1907, ein Jahr nach ihrer Promotion, ging Lise Meitner zusammen mit Max Planck nach Berlin. Um Plancks Vorlesungen zu besuchen, brauchte Meitner seine Erlaubnis, weil Frauen in Preußen noch keine Hochschulen besuchen durften. Kurz danach bot ihr der Chemiker Otto Hahn an, mit ihm zusammenzuarbeiten. Der Institutsleiter Emil Fischer duldete in seinen Laboratorien und Vorlesungen keine Frauen und so bekam Meitner mit Hilfe Hahns schließlich nur einen Kellerraum als Labor. In den Institutsräumen durfte sie sich dafür nicht sehen lassen.

Am Anfang ihrer Zusammenarbeit befassten sich Hahn und Meitner hauptsächlich damit, neue Elemente zu entdecken. Ihre gemeinsame Arbeit wurde jedoch vom 1. Weltkrieg unterbrochen, da Otto Hahn an die Front gehen musste. Dort entwickelte und produzierte er mit Haber zusammen Giftgas, das er in sehr gefährlichen Versuchen testete.

Lise Meitner, die seit 1913 wissenschaftliches Mitglied des Instituts war, führte das Labor zunächst alleine weiter. 1915 wurde sie dann aber Röntgenschwester. In Berlin, wohin sie 1917 zurückkehrte, entdeckte sie Ende des Jahres mit Hahn das 91. Element, Protactinium.

Nach dem Krieg brach die direkte Arbeit zwischen Otto Hahn und Lise Meitner jedoch ab, da Lise Meitner ihre eigene Abteilung im Chemischen Institut in Dahlem erhielt. 1933, kurz nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verlor sie ihre Dozentenstelle und die Leitung der Abteilung. Mit Hilfe von Hahn und Planck bekam sie diese jedoch zunächst zurück. Seit 1935 arbeitete auch der Physiker Fritz Straßmann mit in Meitners und Hahns Team. Nach der Besetzung Österreichs musste Meitner 1938 schließlich doch aus Deutschland fliehen, um als Jüdin nicht verhaftet zu werden. Sie ging zunächst über Holland nach Kopenhagen und von dort aus nach Stockholm.

Sechs Monate später teilte Hahn ihr per Brief mit, dass der Urankern bei Experimenten unter hoher Energieabgabe u. a. in Barium und Krypton zerfallen war. Otto Hahn konnte sich die Ergebnisse selbst nicht erklären. Lise Meitner interpretierte 1939 die Beobachtungen zusammen mit ihrem Neffen, Otto Robert Frisch, und bezeichnete den Vorgang als Kernspaltung.

Als der zweite Weltkrieg vorbei war, wollte sie wieder am Chemischen Institut arbeiten, ihre Kollegen waren allerdings z.T. immer noch nationalsozialistisch eingestellt. Daher nahm sie 1946 die schwedische Staatsbürgerschaft an und arbeitete am Kernphysikalischen Institut in Stockholm. Sie blieb trotzdem weiterhin mit Otto Hahn und Fritz Straßmann brieflich in Kontakt.


Zuletzt aktualisiert am 24.01.2005

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