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Grundlagen der Radioaktivität
von Evelyn Afrifah und Elisabeth Elsässer
Radioaktivität
Mit der Radioaktivität ist der spontane Zerfall von Atomkernen unter Aussendung
ionisierender Strahlung gemeint. Dabei unterscheidet man zwischen
natürlicher und künstlicher Radioaktivität. Die natürliche
Radioaktivität setzt sich aus der terrestrischen, vorwiegend
Radonemission, und der kosmischen (Photonenstrahlung) zusammen.
Im Gegensatz zu der natürlichen Radioaktivität wird die künstliche
Radioaktivität durch das Beschießen von stabilen Atomkernen mit
Alpha-Teilchen, Protonen, Neutronen oder Gammaquanten künstlich erzeugt.
Die “Art” von Radioaktivität wird auch bei den meisten Einsätzen
anzutreffen sein.
Strahlungsarten - Grundbegriffe
1. Zum Begriff der ionisierenden Strahlung
1896 entdeckte der französische
Physiker Henry Becquerel bei Untersuchungen an Uranmineralien
das Phänomen der Radioaktivität. Dabei stellte er fest, dass lichtdicht
verpackte Photoplatten geschwärzt werden, wenn man Urangestein in
ihre Nähe bringt. Er erkannte, dass seine Uranpräparate eine
durchdringende Strahlung aussenden, die wie die ein Jahr zuvor
entdeckte Röntgenstrahlung die Luft ionisiert. Die Strahlung die von radioaktiven
Stoffen ausgeht, besteht jedoch nicht nur aus der zur
Familie des elektromagnetischen Spektrums gehörigen Gammastrahlung.
Je nach Element wird beim Zerfall instabiler - und daher radioaktiver-
Atome meist ein Teil des Atomkerns in Form eines Alpha- (Heliumkern)
oder Beta-Teilchens (Elektron) ausgesandt. Diese Teilchenstrahlung hat mit der Röntgen- und
Gammastrahlung eine wesentliche
Eigenschaft gemeinsam: Durch die hohe Energie ist es möglich,
Atome zu ionisieren. Die elektromagnetische Röntgen- und
Gammastrahlung sowie die Teilchenstrahlung beim radioaktiven Zerfall
werden deshalb als ionisierende Strahlung bezeichnet.
2.Entstehung der Radioaktivität
Atome sind die Bausteine der Materie. Sie bestehen aus der elektrisch
negativ geladenen Atomhülle, in der die chemischen Reaktionen zwischen
den Atomen ablaufen, und dem praktisch die gesamte Masse beinhaltenden,
elektrisch positiv geladenen Atomkern. Die Atomkerne sind nur dann
stabil, wenn die Zahl ihrer Bausteine - Protonen und Neutronen - nicht
zu groß wird und wenn das Verhältnis von Protonen- zu Neutronenzahl
bei den leichten Atomkernen etwa 1:1 und bei den schweren etwa 1:1,5
beträgt.Sind diese beiden Bedingungen nicht erfüllt, so ist der
Atomkern instabil, das heißt er ist bestrebt, sich in eine günstigere
Konfiguration umzuwandeln. Die Umwandlung führt normalerweise zur
Emission von Teilchen und Energie. Diesen Prozeß im Atomkern
verursacht die Radioaktivität. Radioaktive Stoffe können natürlichen
Ursprungs sein, wie zum Beispiel das Uran in der Erdkruste, oder auch
künstlich hergestellt werden in Teilchenbeschleunigern, bei der
Kernspaltung oder durch Neutronenbestrahlung.
3. Strahlenarten
Je nach Art der Instabilität von Atomkernen hat man es mit
verschiedenen Umwandlungsprozessen zu tun, die zur Aussendung
unterschiedlicher Strahlenarten führen.
3.1 Alpha-Strahlung
Zu große Kerne verringern die Zahl ihrer Bausteine durch Aussendung
von Paketen aus je zwei Protonen und zwei Neutronen. Diese auf Grund
ihrer zweifach positiven Ladung vom Restkern mit hoher Energie
abgestrahlten Heliumkerne werden als Alpha-Teilchen bezeichnet.
Zu den Alpha-Strahlen gehören die in der Natur vorkommenden Uran-
und Thoriumkerne und ihre Folgeprodukte, unter anderem auch das für
einen großen Teil der natürlichen Stahlenexposition verantwortliche
Radon. In den Brennelementen eines Reaktors entsteht durch
Neutroneneinfang der Urankerne das alphastrahlende Plutonium.
Die Reichweite abgestrahlter Alpha-Teilchen beträgt in Luft nur
wenige Zentimeter und in Gewebe oder anderen kompakten Materialien nur
weniger als ein Zehntel Millimeter.
3.2 Beta-Strahlung
Kerne mit einer zu großen Neutronenzahl im Verhältnis zur Protonenzahl
wandeln sich in eine stabilere Konfiguration durch Aussenden eines
negativ geladenen Elektrons und eines Antineutrinos. Dabei entsteht
ein Proton. Das mit einem Teil der Umwandlungsenergie versehene schnelle
Elektron wird als Beta-Teilchen bezeichnet. Beta-Teilchen haben als
schnelle, energiereiche Elektronen ähnliche Wechselwirkungsarten wie
die Alpha-Strahlung, nur ist ihre Reichweite in Materie wesentlich
größer als die der Alpha-Teilchen: Je nach Energie in Luft bis in den
Meter-Bereich, im Gewebe in den Millimeter-Bereich.
3.2.1 Beta- -Strahlung
Aus dem Kern eines Radionuklids wird ein Elektron abgegeben. Seine
Geschwindigkeit kann zwischen Null und nahezu Lichtgeschwindigkeit liegen.
Das ausgeschleuderte Elektron stammt aber nicht aus der Atomhülle, sondern
entsteht wenn sich im Kern ein Neutron in ein Proton und ein Elektron
umwandelt.
Beispiel eines Beta- -Zerfalls:
Cäsium-137 wandelt sich unter Aussendung eines Elektrons in Barium-137 um
Da die Elektronen je eine negative Elementarladung tragen, werden die Strahlen
auch als Beta- -Strahlung bezeichnet.
Nach dem Aussenden eines Betateilchens, also eines Elektrons, besitzt
der Kern nun ein Proton mehr, das heißt, dass auch die Kernladungszahl
um eins höher liegen muss. Allerdings hat sich die Anzahl der Kernladung
nicht verändert, das bedeutet, dass die Massenzahl erhalten bleibt.
Beta- -Strahlen bilden einen Elektronenstrom, der die gleichen Eigenschaften
zeigt, wie der elektrische Strom in metallischen Leitern. So erzeugen z.B.
beide ein Magnetfeld, das in konzentrischen Kreisen um den Elektronenstrom
liegt.

3.2.2 Beta+ -Strahlung
Bei manchen natürlichen und künstlich hergestellten Radionukliden
tritt eine Strahlung auf, bei welcher Teilchen von der Masse eines Elektrons,
aber mit einer positiven Ladung ausgeschleudert werden. Es sind Positronen.
Daher wird diese Strahlung auch Positronenstrahlung genannt.
Das Positron entsteht im Kern, wenn sich ein Proton in ein Neutron und ein Positron umwandelt.
Beispiel eines Beta+-Zerfalls:
Natrium-22 wandelt sich unter Aussendung eines Positrons in Neon-22 um.
Beim Beta+-Zerfall nimmt die Kernladungszahl um eine Einheit ab, während sich die
Massenzahl nicht verändert.
3.3 Gamma-Strahlung
Kerne mit einem zu hohen Energieinhalt geben das Zuviel an Energie als
Wellenstrahlung ab, die Gamma-Strahlung genannt wird. Sie tritt im
allgemeinen zusammen mit einem Alpha- oder Beta-Umwandlungsprozeß als
Begleitstrahlung auf. Ihre Energie hängt jeweils von der Art des
Kerns, dem abgelaufenen Umwandlungsprozeß und der Stabilität des
Folgekerns ab. Die Durchdringungsfähigkeit dieser Wellenstrahlung ist
sehr viel größer als die der Teilchenstrahlung. Eine Angabe der
Reichweite ist bei ihr nicht möglich.
Die Halbwertszeit
Der radioaktive Zerfall ist ein statistischer Prozess, der dem
radioaktiven Zerfallsgesetz folgt. Der Zeitpunkt des Zerfalls eines
einzelnen Radionuklides ist nicht vorhersagbar. Erst beim
Vorhandensein einer großen Anzahl von Radionukliden lassen sich
gesetzmäßige Wahrscheinlichkeiten für Kernumwandlungen innerhalb
eines bestimmten Zeitintervalls angeben. Mit Halbwertszeit wird die
Zeitspanne bezeichnet, nach der die Hälfte der zerfallsfähigen Kerne
umgewandelt wurde. Die Halbwertszeiten von Nukliden sind
unterschiedlich und reichen von Bruchteilen von Sekunden bis zu
mehreren Milliarden Jahren.
| Radionuklid |
Halbwertszeit |
| Polonium-214 |
160 Mikrosekunden |
| Wismut-214 |
19,9 Minuten |
| Radon-222 |
3,8 Tage |
| Blei-210 |
22 Jahre |
| Radium-226 |
1.600 Jahre |
| Kohlenstoff-14 |
5.370 Jahre |
| Uran-235 |
700 Millionen Jahre |
| Kalium-40 |
1,3 Milliarden Jahre |
| Uran-238 |
4,5 Milliarden Jahre |
Bildernachweis: Die hier gezeigten Bilder sind entnommen aus Kernenerigie Basiswissen
von Martin Volkmer. Herausgeber: Informationskreis Kernenergie.
Zuletzt aktualisiert am 24.01.2005
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